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EU-Delegation besucht Skandal-Camp in Bihać: Grenzstadt zur EU von Migrantenstrom völlig überfordert

Eine EU-Delegation hat am Montag das wenige Kilometer von der kroatischen EU-Grenze entfernte Migrantenlager Vučjak auf einer ehemaligen Mülldeponie der Stadt Bihać im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina besucht. RT Deutsch hatte erst letzte Woche exklusiv eine Dokumentation über die katastrophalen Zustände vor Ort und den massiven Migrantenstrom in die 60.000-Einwohner-Stadt veröffentlicht. Die EU-Delegation sowie lokale Politiker forderten erneut die Schließung des Lagers.

Michala Matuella von der Generaldirektion Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen der Europäischen Kommission bezeichnete das Lager nun als “schockierend”.

Sie sagte, es sei nicht in der Lage, “grundlegende Unterkünfte und Dienstleistungen” für Migranten bereitzustellen.

Das Lager im Kanton Una-Sana ist knapp zehn Kilometer von der EU-Grenze entfernt. Von hier aus versuchen die meisten Lagerbewohner einen Weg über die Grenze zu finden. Ein Trampelpfad führt durch dicht bewaldetes Gebiet, an dessen Ende kroatische Beamte sie bereits erwarten, um sie abzufangen. Migranten vor Ort behaupteten auch, dass diese sie schlugen, ihnen ihre Kleidung und alles, was sie noch dabei hatten, wegnahmen und es dann verbrannten. Auf dem Gelände abseits des Pfades befinden sich Minen – Überbleibsel des Bosnienkrieges von 1992–1995.

Zahlreiche internationale Organisationen haben das Lager für ungeeignet befunden. Die Lage droht sich nun angesichts des anstehenden Wintereinbruchs und der nicht wintertauglichen Zelte dramatisch zuzuspitzen. Die Temperaturen sind schon jetzt sehr niedrig, und es gibt weder Heizung noch fließend Wasser.

Das Rote Kreuz schreibt:

Seit Sommer 2019 gibt es nahe der Stadt Vučjak ein provisorisches Flüchtlingslager, in dem ein Teil dieser Menschen untergekommen ist. Doch auch hier sind die Bedingungen unwürdig: Es gibt weder fließendes Wasser noch Elektrizität oder eine ausreichende medizinische Versorgung. Die Zelte sind nicht winterfest, und die hygienische Situation ist so schlecht, dass sich Hautkrankheiten, Atemwegsinfektionen und andere Krankheiten schnell ausbreiten.

Das Lager war ursprünglich für 700 Personen ausgelegt. Wie viele hier gerade tatsächlich leben, ist unklar. Man schätzt die Anzahl auf rund 2.000 Personen. Laut dem Roten Kreuz befinden sich allein in Bihać über 8.000 Migranten.

Viele von ihnen verharren unter schwierigsten Bedingungen, suchen Unterschlupf in Privathäusern, verlassenen Gebäuden oder schlafen gar im Freien, ohne eine angemessene Grundversorgung.

Auch Matuella meint:

Dies ist eindeutig keine Einrichtung, die den Migranten hier eine grundlegende Unterkunft und Dienstleistungen bieten kann, wobei wir jetzt noch mehr betonen können, dass die Einrichtung geschlossen werden muss und alternative Unterkünfte gefunden werden müssen.

Mustafa Ružnić, Premierminister des Kantons Una-Sana, beklagt, dass man sie mit der Migranten-Krise völlig alleinlasse. Eine Umverteilung der Menschen war bislang immer auf Widerstand gestoßen. Deshalb hatte die Stadt Versorgung des Camps Vučjak eingestellt, um eine Aufnahme durch andere Regionen zu erzwingen. Seither sind die Migranten ausschließlich auf Hilfsorganisationen angewiesen. Bislang ist allerdings keine geeignete Alternative zu dem Lager gefunden, und es bleibt unklar, ob und wann es tatsächlich geschlossen werden kann.

Wir haben seit Oktober 2018 darüber gesprochen. Wir haben über die fehlende Koordination mit den staatlichen Behörden gesprochen, über die fehlende Koordination mit den Polizeibehörden. Niemand wollte uns zuhören, uns Bewohnern dieses Kantons. Also kamen wir nur zu einem Schluss – Vučjak muss geschlossen und die Menschen müssen woanders hingebracht werden.

Fraglich ist auch, ob die Migranten in den neuen Camps bleiben werden, denn die absolute Mehrheit sieht in Vučjak bloß eine Zwischenstation auf ihrem Weg in die EU.

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